Gemüseanbau auf Hof Tomte

 

Im Laufe einer Saison bauen wir eine Vielzahl an Gemüsesorten an. Daneben werden Acker und Wiesenkräuter saisonal unseren Speiseplan bereichern. Es werden ausschließlich samenfeste, frei abblühende Sorten angebaut. Diese sind nicht auf Ertragsmaximierung gezüchtet. Auch können sie von jedem Menschen potentiell selbst vermehrt werden, so dass kein Monopol auf unsere Nahrung entsteht. Ein besonderes Augenmerk liegt bei uns auf seltenen und vom Aussterben bedrohten Sorten, die wir als Hofsorten erhalten möchten. Fast alles was wir anbauen stammt aus unserer eigenen Jungpflanzenanzucht. Dies ermöglicht es uns, die Jungpflanzen unseren (und ihren) Bedürfnissen gerecht zu erziehen und damit auf ihr späteres Leben optimal vorzubereiten.

 

Momentan bauen wir 10 verschiedene Salatsorten an. Eis-, Eichblatt-, Batavia-, und Kopfsalate sind dabei. Besonders empfehlenswert ist die diabolische Sorte "Teufelsohr", feuerrot und teuflisch lecker, sowie die würzige "marokkanische Kresse".

 

Aktuell haben wir 12 verschiedene Tomatensorten von blau über gelb, grün, orange und schließlich auch rot. In den nächsten Jahren werden weitere Sorten folgen.

 

Wir bauen 14 verschiedene Köhler in über zwanzig verschiedenen Sorten an. Darunter auch einen roten Wirsing, und das besonders für Sauerkraut geeignete Filderkraut.

 

Wer lieber Wurzelgemüse mag darf sich auf rote, weiße und orange Beete freuen oder auf eine der fünf verschiedenen Möhrensorten gespannt sein. Auch hier wird es bunt, gelb, weiß und orange stehen zur Auswahl.

 

Desweiteren viele verschiedene Kräuter, Busch- und Stangenbohne, Dicke Bohne, Aubergine, Paprika, Zuckermais, Kürbis, Zucchini, Fenchel, Physalis und vieles mehr.

 

Der Anbau erfolgt satzweise und wir bauen ein großes Programm an Lagergemüse an, so dass wir euch ganzjährig aus unserem Garten versorgen können. Wenn ihr genau wissen möchtet, wann was auf dem Feld steht, schreibt einfach eine E-Mail dann schicken wir euch Anbau- und Erntepläne gerne zu.

 

Die Umsetzung:

  • Es wird ausschließlich mit betriebseigenem Kompost und Pflanzenjauchen gedüngt.

  • Es kommen keine Gifte zum Einsatz, auch die im Biologischen Anbau zugelassenen nicht.

  • Fast alle Jungpflanzen werden selbst angezogen (98%). Es werden nur samenfeste Sorten angebaut.

  • Wenn möglich wird das Saatgut selbst vermehrt.

  • Saatgut, welches wir zukaufen, kommt von Bingenheimer Saatgut und Dreschflegel.

  • Anbau und Erhalt alter Kultursorten als menschliches Kulturgut wird gepflegt.

  • Um Wasser als wichtige Ressource zu schonen, werden die Flächen mit eigenem Mulch bedeckt. Es kommen Tröpfchenschläuche zum Einsatz, die sehr sparsam das Wasser direkt an die Pflanzenwurzel bringen, dort wo es benötigt wird.

  • Um den Boden zu schonen und Verdichtungen zu vermeiden, setzen wir auf Dauerbeete, die ganzjährig bedeckt sind.

  • Wissen wird systematisch geteilt. Das gesamte Projekt wird dokumentiert. Die Daten werden in Zukunft in überarbeiteter Form kostenlos im Internet zur Verfügung gestellt.

  • Um den ganzen Betrieb werden Hecken, Totholzzäune ("Benjeshecken") gepflanzt. Es werden Stein- und Holzhaufen für Nützlinge aufgestellt.

  • Besonders freuen wir uns, das ein Imker uns seine Bienenvölker zugesellt, so dass diese wichtigen Tiere auch einen Platz in unserem Hoforganismus haben.

 

Gärtnerisches Leitbild 

 

Als Gärtner begreifen wir das Leben als Koexistenz Millionen von Kreisläufen, die sich mal mehr und mal weniger überschneiden. Jeder Kontakt zweier Kreisläufe führt zu einem Mehrnutzen für alle beteiligten, der Symbiose. Dabei sind die Schnittflächen zweier System, durch ihre besonderen Gesetze und Harmonien außerordentlich fruchtbar.

 

Unsere Aufgabe ist es diese Kreisläufe durch Beobachtung zu erkennen und für uns nutzbar zu machen. Wir müssen sie nicht verstehen oder beweisen können. Ein beobachtbarer Sachverhalt muss nicht unbedingt bis ins Letzte erklärt und durchschaut werden um ihn nutzen zu können.

 

Der Hoforganismus ist ein lebendiger Betrieb innerhalb dessen wir gestalterisch lenkend wirken dürfen. Der Organismus ist nach außen durch eine durchlässige Haut (Hecken und Flechtzäune) abgeschirmt und entfaltet so eine Individualität.

 

Der Boden bildet die Grundlage all unserer Tätigkeit. Er ist ein lebendiges Wesen bestehend aus Milliarden Individualitäten, die in Symbiosen existieren. Es ist unserem menschlichen Darm nicht unähnlich. Unser Ziel ist es den Boden in Gleichgewicht zu bringen und die daraus entstehende Fruchtbarkeit für uns nutzbar zu machen.

 

Die Ernte ist die Belohnung für unser Wirken. Sie bildet nicht den Hauptantrieb unseres Handelns. Es findet keine Maximierung der Erträge statt. Wir legen stattdessen ein besonderes Augenmerk auf ein gesundes Gleichgewicht aller betrieblichen Kreisläufe. Auf einem gesunden Boden wird die Ernte reichlich ausfallen und wir werden mit gesunden Lebensmitteln belohnt.

 

Schadorganismen befallen keinen Organismus im Gleichgewicht. Sie treten als Regulatoren in einem geschwächtes System auf. Sie sind lediglich Symptome. Deswegen werden sie nicht sie mit Gift bekämpft, sondern ihr Auftreten wird untersucht. Anschließend werden die ihnen zugrunde liegenden Ungleichgewichte behoben.

 

Wissen wird im rousseauschen Sinne als mündig machender Weg in die Freiheit begriffen. Dabei wird sowohl traditionelles Wissen als auch auf modernste wissenschaftliche Erkenntnisse zurückgegriffen. Gleichzeit wird dieses Wissen als kostenloses Allgemeingut für jeden erfahrbar und erlebbar gemacht.